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Empfindsame Menschen lieben anders

luca rohleder
Ein Beitrag von Luca Rohleder

Empfindsame Menschen lieben anders. Zudem sind ihre Liebesbeziehungen meist von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Warum dies besonders bei diesen Menschen der Fall ist, liegt an ihrer ausgeprägten Empathie.

Die Hauptstärken von empfindsamen Menschen sind ihre empathischen Fähigkeiten.

Im weiteren Text werde ich deshalb empfindsame Menschen mit Empathen gleichsetzen. Permanent sind ihre feinen Antennen für Umwelt und Umfeld weit ausgefahren. So bekommen empathische Menschen nicht nur das Offensichtliche, sondern vor allem Subtiles wie auf dem Präsentierteller serviert. In der Folge können sie jedes Gegenüber treffsicher einschätzen. Allerdings hat diese wunderbare Fähigkeit auch ihre Kehrseite.

Empathische Menschen werden viel zu früh in ihrem Leben mit dem wahren Naturell des Homo sapiens konfrontiert.

Diese Tatsache muss besonders für die Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen unweigerlich Folgen haben. Selbstverständlich ist es unüblich (wahrscheinlich auch nicht zweckmäßig), einem Kind zu erklären, dass der Mensch per se mehr charakterliche Schwächen als Stärken innehat. So muss eine unbedarfte Person, die für ihre weitere Entwicklung noch viel Liebe und Positives benötigt, zwangsläufig zum Schluss kommen, dass da etwas in der Welt nicht stimmen kann. Es kommt, was kommen muss:

Viele Empathen beschließen bereits in ihrer Kindheit, vor Menschen eher auf der Hut zu sein.

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Später, nach ihrer Pubertät, beginnen sie, anders zu lieben. Sie gehen ihr erwachsenes Leben mit einer gewissen emotionalen Übervorsichtigkeit an. Dies führt natürlich zu einer unterschwelligen Anspannung, was unbewusst Herztätigkeit und Atmung negativ beeinflusst. Dies steht mit der Entwicklung einer ausreichenden Resilienz und einem stabilen Urvertrauen im Widerspruch.

In der Folge brauchen solche empfindsamen Menschen von Anfang an immer ein Mindestmaß an Anerkennung, Liebe und Beachtung, um die eigene Fragilität kompensieren zu können. Wenn diese zusätzliche Lebensenergie von außen plötzlich entfällt und im schlimmsten Fall sogar in eine Art Ablehnung oder Verlust mündet, wie beispielsweise bei einer unglücklichen Liebesbeziehung, tritt die latent vorhandene seelische Instabilität schnell zutage.

Besonders empfindsame Menschen laufen in der Liebe Gefahr, seelische Verletzungen zu erleiden.

Es gibt allerdings noch weitere Besonderheiten im empfindsamen Liebesleben: Empathen tragen ein „inneres Wissen“ über die „wahre Liebe“ in sich. Diese geheimnisvolle „innere Blaupause“ über ein ganz bestimmtes Liebesideal ist ebenfalls auf die Empathie selbst zurückzuführen. Aufgrund der weit ausgefahrenen Antennen entsteht das Wesensmerkmal einer ausgeprägten Intuition. Eine unbewusste Fähigkeit, durch die Empathen auch allerlei andere Informationen über die Welt zur Verfügung gestellt bekommen. Da machen Liebesbeziehungen keine Ausnahme.

Empathische Menschen tragen oft ein hohes Ideal der „Wahren Liebe“ in sich.

Damit sind besonders Empathen ziemlich hart mit den Gegebenheiten der Realität konfrontiert. Nicht, weil sie objektiv gesehen problematische Partnerschaften eingehen, sondern weil sie Gefahr laufen, die Liebe zu idealisieren. Wenn man zu dieser Tatsache noch ihre hohe Verletzlichkeit miteinbezieht, ist schnell nachzuvollziehen, dass es nahezu unmöglich ist, dass das Liebesleben von empfindsamen Menschen geradlinig verläuft:

Vor allem empathische Menschen werden in ihrem Leben mit allen Höhen und Tiefen der Liebe konfrontiert.

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Es ist schon mehr als auffällig, dass beinahe alle Facetten der Liebe durchlebt werden müssen. Während bei Nichtempathen solche höchst emotionalen Lebenskonstellationen im Laufe ihres Lebens nach und nach verschwinden, gilt dies für Empathen in der Regel nicht – selbst in der zweiten Lebenshälfte können sie noch von einem Sturm von Leidenschaft betroffen werden.

Zur Wiederholung: Empathisch veranlagte bzw. empfindsame Menschen sind im höchsten Maße verletzliche Wesen, tragen eine innere Blaupause über ein ganz bestimmtes Liebesideal in sich und werden lebenslang mit allen Themen der Liebe konfrontiert.

Es braucht infolgedessen schon eine heldenhafte Einstellung, seine psychische Stabilität sowie seinen Glauben an die Liebe nicht zu verlieren. Dazu sind großer emotionaler Mut, viel Lebenserfahrung und ein tiefer Glaube an sein eigenes Schicksal vonnöten. Wenn man sich das Ganze aber einmal nüchtern durch den Kopf gehen lässt, drängt sich eine ganz bestimmte Frage förmlich auf:

Warum haben gerade empathische Menschen ein solches Liebesleben zu führen?

Existiert ein ganz bestimmtes Lebensthema, das besonders empathische Menschen zu bearbeiten haben? Worin liegen die Ursachen, warum gerade Empathen so intensiv mit bestimmten Liebesthemen konfrontiert werden – und das ihr Leben lang? Die Antwort gibt uns nicht die Wissenschaft, sondern solche Menschen, die auf ein langes Leben zurückblicken können.

Besonders Menschen, die mit der Weisheit des Alters gesegnet sind, berichten auffällig oft dasselbe:

Empathisch veranlagte Menschen erkennen irgendwann, dass ihre Liebespartner immer nur ein Spiegel ihrer selbst sind bzw. waren.

Erst in der Rückschau bemerken sie, dass die Liebe sie praktisch gezwungen hat, sich immer wieder mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Besonders empathische Menschen, die weit in ihrer zweiten Lebenshälfte angekommen sind, kommen zum Schluss, dass es in letzter Konsequenz immer nur um ein einziges Lebensthema ging:

Wahrscheinlich werden Empathen nur deshalb so intensiv mit allen Facetten der Liebe konfrontiert, weil es um die Entwicklung von Selbstliebe und Urvertrauen geht.

In der Folge kann es also nur eine Erklärung für das heroische Liebesleben einiger Empathen geben. Sie tragen nicht deshalb ein Liebesideal in sich, weil sie dieses im Außen erfüllt bekommen, sondern vielmehr in ihrem Inneren entwickeln wollen.

Empathische Menschen entdecken schließlich in ihrem Inneren genau das, wonach sie sich im Außen ihr ganzes Leben lang gesehnt haben.

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Da solche persönliche Wachstumsprozesse grundsätzlich dynamische Vorgänge sind, ist dies auch der Grund, warum die Liebeserfahrungen von empathischen Menschen ebenso dynamisch sein müssen.

Dies ist außerdem die Erklärung, warum heute die meisten in ihrem Leben mehr als nur eine einzige Partnerschaft benötigen. Manchmal braucht es eben ein Liebesaus, um in der Folge einen Partner anzuziehen, der dem aktuellen Stand des eigenen inneren Wachstumsprozesses zur Selbstliebe entspricht.

Und irgendwann erreichen Empathen schließlich ihr Lebensziel: Sie entdecken die Fähigkeit, aus sich selbst heraus Liebe zu entwickeln, ohne dass es dazu einen Anlass von außen benötigt.

Erst jetzt, am Ziel ihres inneren Wachstumsprozesses, tragen sie genug Selbstliebe in sich, um nicht mehr auf die Anerkennung und Liebe anderer im Übermaß angewiesen zu sein.

Dies ist dann auch das endgültige Aus für seelische Verletzungen sowie der Beginn eines Lebens in emotionaler Freiheit …

Luca Rohleder, Gründer des Netzwerks und Herausgeber der LUCA TAGEBÜCHER


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Weiterführende Quelle zum Thema:

Die Liebe empathischer Menschen
Bessere Beziehungen, mehr Selbstliebe und weniger Liebeskummer für sensible Menschen
ISBN 9783981797589


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