warum weinen unsere seele befreit

Weinen: Warum es unsere Seele befreit

susanne hillar
Ein Beitrag von Susanne Hillar

Ich habe schon als Kind mit Weinen viel zu tun gehabt: Wenn ich in der Schule etwas nicht verstanden habe, bei Konflikten, wenn ich bei einem Spiel verloren habe oder wenn ich im Sportunterricht Angst vor etwas hatte.

Ich habe mich dann geschämt, wurde blöd angeschaut. Fragen wie „Was hast du denn jetzt schon wieder?“, oder „Das ist doch jetzt echt kein Grund zum Weinen!“. Doch für mich war es schlimm und für mich war das ein Grund zum Weinen. Warum? Weil ich zum einen noch gar nicht einordnen konnte, was da gerade für eine Emotion (Frust, Wut) dahintersteckt und schon gar nicht, wie ich anders damit umgehen könnte.

Warum ich dir das erzähle?

Weil es vielen sensiblen Kindern, aber auch sensiblen Erwachsenen so geht wie mir. Gerade im Kindesalter wissen wir oft noch nicht, was wir da gerade fühlen und wie wir damit umgehen sollen. Also liegt es nahe, dass wir zu einem unserer Urventile zurückgehen – wir weinen.

Weinen ist ein seelisches Urventil

Denn als Baby oder Kleinkind konnten wir so am ehesten auf uns aufmerksam machen: „Hey, hier ist irgendwas nicht cool für mich!“ und – im besten Fall – hat sich dann jemand um uns gekümmert und dafür gesorgt, dass es uns besser geht.

Doch jetzt wollen wir gar nicht mehr im Mittelpunkt stehen, es ist uns unangenehm, wenn alle uns anschauen und wissen wollen, was los ist. Das baut dann allerdings noch mehr Druck auf, bloß nicht immer direkt loszuheulen. Doch der Druck muss ja auch irgendwie raus. Ein ätzender Teufelskreis.

Wir können mit der Zeit lernen, dass es auch andere Ventile gibt, aber dafür müssen wir erstmal verstehen, was da gerade mit uns los ist.

Welches Gefühl hier gerade raus will. Dann können wir andere Wege wählen, um diese Emotion zu verarbeiten und gehen zu lassen: Yoga, Meditation, mit einer/einem Coach oder mit guten FreundInnen über die Gefühle zu sprechen, kann helfen, oder aber auch einfach mal richtig wütend sein und fluchen.

Ich habe mittlerweile auch andere Ventile gefunden, aber Weinen ist nach wie vor mein Hauptventil, um Emotionen abzulassen, um Druck abzubauen. Ich weine, wenn ich traurig bin, bei Konflikten, wenn mir alles zu viel ist. Aber eben auch vor Rührung, wenn etwas Schönes passiert oder weil meine Lieblingscharakter in einer Serie sein Happy End bekommt. Und sind wir doch mal ehrlich:

Weinen wirkt befreiend, wenn wir an einem scheiß Tag einfach mal so richtig abheulen

Alles Liebe,

deine Heulsuse 😉

Susanne Hillar, systemischer Kinder-, Jugend- & Erwachsenencoach
Netzwerkmitglied für 50733 Köln, www.susannehillar.de


Bildnachweis: LUCA TAGEBUCH, illustriert mit Aquarellmalerei und schönen Sprüchen zum Nachdenken, Luca Rohleder, ISBN 9783982303260


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7 Kommentare

  1. Liebe Susanne,

    was für ein wunderbarer, ehrlicher Artikel.
    Du schreibst mir aus der Seele. Danke dafür ,

    Alles Liebe, Katrin

  2. Is ja cool, jetzt versteh ich warum… Der Druck in mir so gross ist, und dann weine, ja auch mit 47 noch. Als Kind würde mir das verboten schlimm, jetzt lern ich das erst alles. LG thomas Danke

    1. Lieber Thomas,

      ach wie schön, dass du diese Erkenntnis hattest! Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg! ♡

      LG Susanne

  3. Genau so geht es mir auch – schön geschrieben und beruhigend nicht alleine so zu sein.

  4. Das Lesen deiner Zeilen hat mir sehr gut getan. Danke. Ja, mir geht es auch so und sogar noch ein bisschen mehr. Nach einer Operation im Aufwachraum musste ich jedes Mal nach dem Erwachen schrecklich laut weinen. Ganz ganz schlimm.

  5. Sehr schöner Artikel!
    Mir geht es auch so, dass ich einfach weine, wenn der Gefühlsdruck zu groß wird. Es ist mein Ventil bei Überbelastung, auch bei Freude, bei Mitgefühl….
    Leider haben Mitmenschen damit Probleme. Mein letztes Wochenende mit meinem Freund war sehr schön. Dieses große Glücksgefühl und die vielen neuen Eindrücke haben leider bei mir ein Gefühlschaos hinterlassen, dass ich weinen musste. Mein Freund war sehr irritiert davon. Er weiß noch nicht, dass ich hochsensibel bin.

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